{"id":3948,"date":"2021-01-17T07:24:23","date_gmt":"2021-01-17T06:24:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.lernschritte.at\/?p=3948"},"modified":"2025-11-03T18:28:35","modified_gmt":"2025-11-03T17:28:35","slug":"geschichte-von-zwei-staedten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lernschritte.at\/?p=3948","title":{"rendered":"Geschichte von zwei St\u00e4dten"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Es war die beste Zeit, es war die schlechteste Zeit, es war das Zeitalter der Weisheit, es war das Zeitalter der Dummheit\u2026<\/em><\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile\" style=\"grid-template-columns:35% auto\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.lernschritte.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/paris-landmark-black-and-white-architecture-stock-photography-monochrome-photography-1566105-pxhere.com_-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-3951 size-full\" srcset=\"https:\/\/www.lernschritte.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/paris-landmark-black-and-white-architecture-stock-photography-monochrome-photography-1566105-pxhere.com_-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.lernschritte.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/paris-landmark-black-and-white-architecture-stock-photography-monochrome-photography-1566105-pxhere.com_-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.lernschritte.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/paris-landmark-black-and-white-architecture-stock-photography-monochrome-photography-1566105-pxhere.com_-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.lernschritte.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/paris-landmark-black-and-white-architecture-stock-photography-monochrome-photography-1566105-pxhere.com_-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.lernschritte.at\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/paris-landmark-black-and-white-architecture-stock-photography-monochrome-photography-1566105-pxhere.com_.jpg 1800w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\"><strong>Der Schuhmacher<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-normal-font-size wp-block-paragraph\">So beginnt der Roman von Charles Dickens \u00fcber das Leben des Dr. Manette und seiner Tochter Lucie in zwei St\u00e4dten, London und Paris. Hier treffen wir einen Mann namens Manette, der seit \u00fcber 18 Jahren zu Unrecht in Frankreich inhaftiert ist. <\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Manette hat alleine in einem Turm gelebt, einfach Mahlzeiten durch seine Zelle erhalten und sich mit der Herstellung von Schuhen besch\u00e4ftigt. Er hat jeglichen Sinn f\u00fcr seine wahre Identit\u00e4t verloren, die durch jahrelanges Leiden zerst\u00f6rt wurde, und arbeitet dennoch an der Herstellung von Schuhen &#8211; eine T\u00e4tigkeit, die er nur im Gef\u00e4ngnis aufgenommen hat. Seine Tochter Lucie, die er seit seiner Inhaftierung nie mehr gesehen hat, trifft hier zum ersten Mal als junge Frau ihren Vater, begleitet von einem Mann names Mr. Lorry.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber wie kann man zu einem Menschen Verbindung herstellen, der sich selbst verloren hat? Was braucht so ein Mensch? Und kann ich ihm das geben? Wie immer kannst du dir unterwegs Notizen zu deinen Gedanken und Gef\u00fchlen machen und vielleicht auch W\u00f6rter oder S\u00e4tze markieren, die dir besonders auffallen oder dich besonders ber\u00fchren&#8230;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-06a3dea0-202d-459e-8c0e-6eeb67fe94ee\" href=\"https:\/\/www.lernschritte.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/DerSchuhma.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">&gt;&gt;&gt; TEXT<\/a><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Denkanst\u00f6\u00dfe<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Ausdruck \u201eFamilientreffen\u201c erh\u00e4lt hier eine ganz neue Bedeutung und Intensit\u00e4t, da Lucie nicht nur ihren Vater zum ersten Mal trifft, sondern auch die schwierige Aufgabe \u00fcbernimmt, langsam zu versuchen, seinen verwundeten Geist und seine Seele wieder zum Leben zu erwecken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie hat sich das wohl f\u00fcr Lucie angef\u00fchlt, ihren Vater zum ersten Mal zu treffen? Auch uns Lesern ist er fremd, genauso wie seiner Tochter. Es wird beschrieben, dass er eine Stimme hat, die in den Untergrund gegangen ist? Lies noch einmal, wie es ihm geht, wenn du ihn zum ersten Mal in seiner Zelle triffst:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die Stimme klang wie das letzte matte Echo eines lange zuvor in die Ferne gerufenen Tons und hatte das Leben, den Klang der menschlichen Stimme so ganz und gar verloren, dass sie auf die Sinne wie eine Farbe wirkte, deren einstige Sch\u00f6nheit zu einem matten Fleck verblasste. Sie klang so ged\u00e4mpft und verhalten, dass sie unter dem Boden hervorzukommen schien\u2026 <\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was denkst du, sagt uns eine solche Stimme \u00fcber einen Menschen? Wie w\u00fcrdest du dich einer Person n\u00e4hern, die dir in diesem ged\u00e4mpften Licht erscheint? Wie geht Lucie mit der Situation um?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie scheint die Einzige in der Gruppe zu sein, die keine Angst vor Manette hat. Es gibt ein paar Passagen, in denen ihre Begleiter agieren, als ob sie Angst davor h\u00e4tten, was Manette Schreckliches tun k\u00f6nnte, w\u00e4hrend Lucie keine Angst vor dem alten Mann hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Sie aber sa\u00df vollkommen still unter seiner Hand und sagte nur mit leiser Stimme: \u00bbIch flehe euch an, meine guten Herrn, bleibt zur\u00fcck \u2013 sprecht nicht, r\u00fchrt euch nicht.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wie hei\u00dft Ihr, mein zarter Engel<\/em><em>?<\/em> So fragt der verwirrte Manette und doch sagt Lucie nicht &#8222;Ich bin deine Tochter&#8220;. Stattdessen antwortet sie: <em>Oh, Herr, zu einer andern Zeit sollt Ihr erfahren, wie ich hei\u00dfe, wer meine Mutter, wer mein Vater war, und wie ich nie etwas von ihrer schmerzlichen Geschichte erfahren habe. Jetzt aber, und hier, kann ich Euch dies nicht sagen. <\/em>Was k\u00f6nnte der Grund sein, dass sie so reagiert? Was bezweckt Lucie mit ihren Appellen <em>wenn\u2026wenn\u2026wenn\u2026? <\/em>Die Aufforderung <em>weinet, weinet darum<\/em> folgt den Appellen und schlie\u00dflich weint Manette. Lucie sieht die Tr\u00e4nen ihres Vaters und nennt sie <em>heilig<\/em> und dankt Gott f\u00fcr sie. Was k\u00f6nnte dieser Moment f\u00fcr Vater und Tochter hier bedeuten? Wurde eine Schwelle \u00fcberschritten? Wie k\u00f6nnen wir wissen, ob wir zu einem anderen Menschen durchgekommen sind?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Am Ende dieser Passage f\u00fchlen sich die Dinge immer noch ziemlich zerbrechlich an, da sowohl Vater als auch Tochter auf dem Boden sitzen, ersch\u00f6pft von der emotionalen Szene, die gerade zwischen ihnen vorgefallen ist. Du fragst dich vielleicht, wie und ob die Teile eines Menschenlebens wieder zusammengesetzt werden k\u00f6nnen? Wie viel ist m\u00f6glich? Wie viel sollten wir von uns und einander erwarten? Lucie und Manette haben noch eine lange Reise vor sich, aber sie haben hier trotzdem etwas ganz Wichtiges miteinander geteilt. Zeit f\u00fcr ein Gedicht.<\/p>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Interludium: Stufen<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das neue Jahr hat kaum begonnen und es liegt jetzt noch so etwas wie &#8222;Neuheit&#8220; in der Luft, das Versprechen einer Ver\u00e4nderung. Viele von uns haben sich beim Jahres\u00fcbergang (wieder einmal) vorgenommen, etwas in ihrem Leben zu \u00e4ndern, gleichzeitig \u00e4ndert sich die Welt um uns pausenlos und immer schneller. Trotzdem n\u00e4hert sich jeder Mensch diesem Thema auf unterschiedliche Weise, jeder passt sich dem Wandel anders an. Die h\u00e4rteren und abenteuerlustigeren unter uns umarmen und begr\u00fc\u00dfen ihn und suchen die Ver\u00e4nderung aktiv. F\u00fcr andere ist das nicht ganz so einfach. Die scheinbar kleinsten \u00c4nderungen, wie z. B. einen anderen Weg zur Arbeit einschlagen zu m\u00fcssen, werfen sie aus der Bahn. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-file\"><a id=\"wp-block-file--media-514effaa-2ed2-43dd-90b1-9bebfac2e3f8\" href=\"https:\/\/www.lernschritte.at\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/Stuf.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">&gt;&gt;&gt; TEXT<\/a><\/div>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\">Denkanst\u00f6\u00dfe<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gedicht <em>Stufen<\/em> erinnert mich immer daran,   wie wichtig es ist, <em>den Ruf des Lebens<\/em> zu h\u00f6ren bzw. nicht zu \u00fcberh\u00f6ren. <em>Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne<\/em> &#8211; Das hast du doch auch schon erlebt, oder nicht? Jeder neuen Arbeitsstelle, jeder neuen Beziehung, jeder neuen&#8230;. immer ist der Anfang &#8211; auch wenn er vielleicht Mut erfordert &#8211; frisch, neu, Leben verhei\u00dfend.  Das Gedicht spricht auch davon, dass <em>jede Lebensstufe<\/em> <em>nicht ewig dauern <\/em><strong><em>darf<\/em>.<\/strong> Warum <em>darf<\/em> und nicht <em>kann<\/em>? K\u00f6nnte es mit dem <em>Lebensrufe<\/em> zusammenh\u00e4ngen, dem wir folgen m\u00fcssen? Das Leben ruft uns zur Entwicklung. Stufe um Stufe. Das hei\u00dft, die Reise, der Neubeginn und Wiederanfang, das Abschiednehmen und Loslassen, die Freude und Trauer sind sozusagen systemrelevant, sie sind die Rahmenbedingungen dieses Lebens, die wir annehmen m\u00fcssen. Die Frage ist nur wie? Das Gedicht beantwortet sie so: <em>Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten, an keinem wie an einer Heimat h\u00e4ngen<\/em>. Und das f\u00e4llt uns sooooo schwer, oder? Das ist in den meisten F\u00e4llen nicht unsere spontane, erste Reaktion auf Ver\u00e4nderung, nicht wahr?  <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im zweiten Gedicht von Samuel Taylor Coleridge aus dem Jahr 1826 beleuchtet der Verfasser  einen  anderen interessanten Aspekt des Wandels.  Er fragt, ob wir  immer noch eine Beziehung zu einer anderen Person unterhalten k\u00f6nnen, wenn diese sich tiefgreifend ver\u00e4ndert, wenn sie sich sehr stark von der Person zu unterscheiden scheint, die wir vorher kannten? Was k\u00f6nnte es von uns verlangen, dass wir uns trotz einer solchen Ver\u00e4nderung weiter um einen anderen Menschen k\u00fcmmern?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00f6chtest du jetzt das Gedicht noch einmal durchlesen? Vielleicht kommen dir noch ein paar Gedanken und Gef\u00fchle&#8230;Schau, was dir auff\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ist von den ersten beiden Zeilen zu halten? <em>Ohne Zweifel ist\u2019s ein leeres Los und hart zu tragen, <\/em>zu<em> sehn, wie alles sich ver\u00e4ndert au\u00dfer dir.<\/em> Warum <em>leeres Los<\/em>? Was k\u00f6nnte in einer solchen Situation besonders schwer zu ertragen sein, wenn sich zwei Menschen ungleich ver\u00e4ndern bzw. wenn  nur einer sich \u00e4ndert? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir werden auch gefragt: <em>Doch warum \u00fcber\u2018s Schwinden anderer klagen?Schwinden <\/em>h\u00f6rt sich vielleicht seltsam alt an. Das Licht einer Kerze kann nachlassen, wenn es anf\u00e4ngt zu flackern, nicht wahr? K\u00f6nnen Menschen auch so sein? Aber wenn ja, w\u00e4re es nicht nat\u00fcrlich, sich Sorgen zu machen? Vielleicht h\u00e4ngt das von der Ursache der Sorge ab: Ist es die <em>schwindende<\/em> Person, um die wir uns  Sorgen machen, oder bin ich selbst es? <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Gedicht spricht auch dar\u00fcber, wie wir versucht sein k\u00f6nnten, unsere Liebe zu einem anderen aus  <em>Selbstsucht<\/em> zu verstecken, weil wir ahnen, dass wir &nbsp;gekr\u00e4nkt werden oder etwas verlieren k\u00f6nnten.  Es fordert uns auch auf, die Menschen &#8222;<em>f\u00fcr das, was sie sind&#8220; <\/em>in der Gegenwart weiterhin zu lieben. Macht Lucie im obigen Abschnitt das vielleicht f\u00fcr ihren Vater?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war die beste Zeit, es war die schlechteste Zeit, es war das Zeitalter der Weisheit, es war das Zeitalter der Dummheit\u2026<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":3951,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-3948","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-literatur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.lernschritte.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3948","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.lernschritte.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.lernschritte.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lernschritte.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lernschritte.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=3948"}],"version-history":[{"count":27,"href":"https:\/\/www.lernschritte.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3948\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12873,"href":"https:\/\/www.lernschritte.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/3948\/revisions\/12873"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lernschritte.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/3951"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.lernschritte.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=3948"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lernschritte.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=3948"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.lernschritte.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=3948"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}