Wir leben in Europa auf einem gesegneten Kontinent. Die meisten denken nicht darüber nach, für sie ist es eine Selbstverständlichkeit.

Doch einigen wenigen wird jetzt im Angesicht der vermehrten „Waffen – Krieg – Sieg“ -Rufe vielleicht bewusst, dass wir diesen Frieden, diese Schönheit, diesen Segen gerade aufs Spiel setzen.

Ich sitze in unserem kleinen Garten. Die frühlinghafte Sonne wärmt die Luft, ein sanfter Wind trägt den Duft der blühenden Bäume zu mir und die Bienen und Schmetterlinge eifern zwischen den Heilkräutern um die Wette. Oben auf den Bergen liegt noch ziemlich viel Schnee, der jedoch schon zu glänzen beginnt, und zwischen den dunklen Nadelbäumen beginnen die Laubbäume mit ihren hellgrünen Blättern die freien Flächen zu füllen.

Wir leben in einem gesegneten Land. Gesegnet mit Wald, Äckern, Wasser. Dafür sollten wir dankbar sein, ein bisschen Demut – so altbacken und „uncool“ dieser Begriff heutzutage auch sein mag – stünde uns gut. Denn anderswo befinden sich die Menschen in einer nicht so glücklichen Lage, zum Beispiel in Mexiko.

In ihrem Artikel “ Wie 25 mexikanische Dörfer 20ʼ000 Hektaren Wüste begrünten“ beschreibt Daniela Gschweng den mühsamen Versuch in der Region Mixteca Alta, die Wüste wieder aufzuforsten und den Boden wieder fruchtbar zu machen. Im 16.Jhdt brachte die Conquista die Viehwirtschaft nach Mexiko, wodurch nach und nach der vorher fruchtbare Boden zerstört wurde, bis nur noch Kakteen übrig blieben. Wasser? – Fehlanzeige.

(Bild: Norma93, Wikimedia Commons)

Der blanke, trockene Fels kann kein Wasser mehr zurückhalten. Armut, Arbeitslosigkeit, Abwanderung waren die Folge, bis erste Gemeinden mit Unterstützung der öffentlichen Hand ein langwieriges Restaurierungsprojekt in Angriff nahmen.

Langsam gibt es so wieder mehr Wasser im Einzugsgebiet, mehr Landwirtschaft und mehr Möglichkeiten für die Einwohner, sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen. «Die Region [Mixteca Alta] war die grösste Ressource für Arbeitskräfte im Land», sagt Óscar Mejía von der Nationalen Forstbehörde in Oaxaca. Dank der Restaurierung gebe es nun erstmals Möglichkeiten, die Abwanderung zu stoppen. (1)

Dei einen begrünen also die Wüste, um Leben wieder zu ermöglichen, während die anderen gerade dabei sind, den Krieg zu befeuern und Leben zu zerstören.

Die Welt marschiert von Tag zu Tag mehr in Richtung eines Dritten Weltkriegs mit apokalyptischen Folgen und Deutschlands Dichter und Denker schweigen. Und wenn doch einmal ein paar Hoffnungsschimmer aufglimmen, werden sie von einer selbstgerechten, moralinsauren Twittermeute niedergetrampelt. Spätestens seit Corona gilt jeder Abweichler als Spinner und ist vogelfrei. Es herrscht der Diskurstotalitarismus. 

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Seit die ehemaligen Pazifismus-Parteien in Deutschland und Österreich an der Macht sind und Mainstream-Medien als auch Oppositionsparteien sich an „Gutmenschentum“ überbieten, muss man als denkender, besorgter Bürger für jede ruhig argumentierende, mahnende Stimme dankbar sein. Eine davon ist die Bonner Professorin für Europäische Politik Ulrike Guérot.

Der ungerechteste Frieden ist besser als der gerechteste Krieg.

Frau Guérot wagt es, Cicero zu zitieren und den offenen Brief an Kanzler Scholz zu verteidigen.

Doch mahnende Worte und Diplomatie sind in unseren Zeiten nicht mehr gefragt.

„Die Diplomatie hat nur deshalb versagt, weil man ihr keine Chance gab…Doch bereits diese simple Wahrheit scheint im gesellschaftlichen Diskurs nicht mehr Konsens zu sein.(…) Man denkt nicht mehr in größeren Zusammenhängen, sondern in so simplen Kategorien wie Gut und Böse und zimmert sich die komplexen geopolitischen Entwicklungen so zusammen, dass sie in dieses simple Schema passen. 

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Eine zweite hartnäckige Stimme, die immer wieder unbequeme Fragen stellt und zur Besonnenheit mahnt, ist Sarah Wagenknecht.

Wie gesagt:

Die einen begrünen die Wüste, um Leben wieder zu ermöglichen, während die anderen gerade dabei sind, den Krieg zu befeuern und Leben zu zerstören. Wenn die Kriegsbefürworter sich jetzt durchsetzen, wird es vielleicht auf Generationen kein bewohnbares Europa mehr geben.

Es geht nicht darum, den Aggressor zu verstehen oder Aggression zu rechtfertigen oder Leid zu negieren. Es geht nur um die Bitte: Quidquid agis, prudenter agas et respice finem.

Was immer ihr tut, tut es bitte weise und denkt an das Ende!


(1) Bildquelle:

Veranstaltung zum Tag zur Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre am 17. Juni 2021 nach mehr als 20 Jahren Waldrestaurierung in Coixtlahuaca durch die Chocho-Mixtec-Gemeinden © Ministerium für Umwelt und Energie Oaxaca, Twitter

Kategorien: Gesellschaft

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