Der Schüler ging zum Meister und fragte ihn: „Wie kann ich mich von dem, was mich an die Vergangenheit heftet, lösen?“

Da stand der Meister auf, ging zu einem Baumstumpf, umklammerte ihn und jammerte: „Was kann ich tun, damit dieser Baum mich loslässt?“

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber mir passiert er immer wieder, dass ich aus meiner Mitte falle und komplett irrational reagiere, wenn ich mit meiner Mutter spreche. Es ist, als ob ein Knopf gedrückt wird, der die Tür zu längst aufgearbeiteten Problemen und Gefühlen öffnet, sozusagen meine Büchse der Pandora. Und obwohl ich weiß, dass diese Geschichten „Schnee von gestern“ sind und nur in meinem Bewusstsein existieren (und existiert haben), sage ich dann Worte, die verletzen, anstatt klarzustellen, die trennen, anstatt zu verbinden, die anklagen, anstatt zu vergeben. Am Ende fühle ich mich ausgelaugt, traurig und verzweifelt und voll Reue. Wenn du solche Situationen mit irgendeinem Menschen auch kennst, dann interessieren dich vielleicht folgende Geschichten:

DAS AUGE

Das Auge sagte eines Tages: «Ich sehe hinter diesen Tälern im blauen Dunst einen Berg. Ist er nicht wunderschön?» Das Ohr lauschte und sagte nach einer Weile: «Wo ist ein Berg, ich höre keinen.» Darauf sagte die Hand: «Ich versuche vergeblich ihn zu greifen. Ich finde keinen Berg.» Die Nase sagte: «Ich rieche nichts. Da ist kein Berg.» Da wandte sich das Auge in eine andere Richtung. Die anderen diskutierten weiter über diese merkwürdige Täuschung und kamen zu dem Schluss: «Mit dem Auge stimmt etwas nicht.»

DIE 3 SIEBE DES SOKRATES

Zum weisen Sokrates kam einer gelaufen und sagte: „Höre, Sokrates, das muss ich dir erzählen!“ „Halte ein!“ unterbracht ihn der Weise, „hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“ „Drei Siebe?“, fragte der andere voller Verwunderung. „Ja, guter Freund! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht: Das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“ „Nein, ich hörte es erzählen und…“So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst gut?“ Zögernd sagte der andere: „Nein, im Gegenteil…“Hm“, unterbrach ihn der Weise, „so lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden. Ist es notwendig, dass du mir das erzählst?“ „Notwendig nun gerade nicht…“Also“, sagte lächelnd der Weise, „wenn es weder wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit.“

SÜNDEN IM KRUG

In Scetis beging ein Bruder einen Fehler. Ein Rat wurde einberufen, zu welchem Vater Moses eingeladen wurde, doch er lehnte es ab, dorthin zu gehen. Da sandten die Priester jemanden zu ihm und sagten: „Komm, denn wir alle warten auf dich“ So stand er auf und ging. Er nahm einen undichten Krug, füllte ihn mit Wasser und brachte ihn mit. Die anderen kamen heraus, um ihn zu empfangen und fragten, „Was ist das, Vater?“ Der alte Mann sagte zu ihnen, „Meine Sünden sind hinter mir ausgelaufen, sodass ich sie nicht mehr sehe und heute komme ich, um die Fehler eines anderen zu richten.“ Als sie das hörten, sagten sie nichts mehr über den Bruder und vergaben ihm.

DER INDIANER UND DIE WÖLFE

Ein alter Indianer erzählte seinem Enkel von einer großen Tragödie und wie sie ihn nach vielen Jahren immer noch beschäftigte. „Was fühlst du, wenn du heute darüber sprichst?“ fragte der Enkel. Der Alte antwortete: „Es ist als ob zwei Wölfe in meinem Herzen kämpfen. Der eine Wolf ist wütend und zornig. Der andere ist großmütig und liebevoll.“ Der Enkel fragte: „Welcher Wolf wird den Kampf in deinem Herzen gewinnen?“ „Der Wolf, den ich füttere!“ sagte der Alte.

MÜDER WANDERER

Es war einmal ein Wanderer, der mühselig auf einer scheinbar endlos langen Straße entlang zog. Er war über und über mit Lasten behangen. Ein schwerer Sandsack hing an seinem Rücken, um seinen Körper war ein dicker Wasserschlauch geschlungen. In der rechten Hand schleppte er einen unförmigen Stein, in der linken einen Geröllbrocken. Um seinen Hals baumelte an einem ausgefransten Strick ein alter Mühlstein. Rostige Ketten, an denen er schwere Gewichte durch den staubigen Sand schleifte, wanden sich um seine Fußgelenke. Auf dem Kopf balancierte er einen halbfaulen Kürbis. Bei jedem Schritt, den er machte, klirrten die Ketten. Ächzend und stöhnend bewegte er sich Schritt für Schritt vorwärts, beklagte sein hartes Schicksal und die Müdigkeit, die ihn quälte. Auf seinem Wege begegnete ihm in der glühenden Mittagshitze ein Bauer. Der fragte ihn: „Oh, müder Wanderer, warum belastest du dich mit diesen Felsbrocken?“ „Zu dumm“, antwortete er, „aber ich hatte sie bisher noch nicht bemerkt. “Darauf warf er die Brocken weit weg und fühlte sich viel leichter. Wiederum kam ihm nach einer langen Wegstrecke ein Bauer entgegen, der sich erkundigte: „Sag, müder Wanderer, warum plagst du dich mit dem halbfaulen Kürbis auf dem Kopf und schleppst an Ketten so schwere Eisengewichte hinter dir her?“ Er antwortete: „Ich bin sehr froh, dass du mich darauf aufmerksam machst; ich habe nicht gewusst, was ich mir damit antue.“ Er schüttelte die Ketten ab und zerschmetterte den Kürbis im Straßengraben. Wieder fühlte er sich leichter. Doch je weiter er ging, umso mehr begann er wieder zu leiden. Ein Bauer, der vom Feld kam, betrachtete den Wanderer erstaunt: „Oh, guter Mann, du trägst Sand im Rucksack, doch was du da in weiter Ferne siehst, ist mehr Sand, als du jemals tragen könntest. Und wie groß ist dein Wasserschlauch, als wolltest du die Wüste Kawir durchwandern. Dabei fließt neben dir ein klarer Fluss, der deinen Weg noch weit begleiten wird!“ „Dank dir, Bauer, jetzt merke ich, was ich mit mir herumgeschleppt habe.“ Mit diesen Worten riss der Wanderer den Wasserschlauch auf, dessen brackiges Wasser auf dem Weg versickerte, und füllte mit dem Sand aus dem Rucksack ein Schlagloch. Sinnend stand er da und schaute in die untergehende Sonne. Die letzten Sonnenstrahlen schickten ihm die Erleuchtung: Er blickte an sich herab, sah den schweren Mühlstein an seinem Hals und merkte plötzlich, dass der Stein es war, der ihn so gebückt gehen ließ. Er band ihn los und warf ihn, soweit er konnte, in den Fluss hinab. Frei von seinen Lasten wanderte er leicht wie ein Vogel durch die Abendkühle, um eine Herberge zu finden.

GELEGENHEIT

Einst war der Sohn des Weisen verwirrt, denn sein Bruder pflegte sich umso mehr zu freuen, je mehr ihn ein anderer schmähte oder verlachte. Er fragte seinen Vater diesbezüglich und er sagte: Dies sind jene Leute, die uns Gelegenheit zur Vervollkommnung geben.

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