Ich liebe meines Wesens Dunkelstunden,
in welchen meine Sinne sich vertiefen;
in ihnen hab ich, wie in alten Briefen,
mein täglich Leben schon gelebt gefunden
und wie Legende weit und überwunden.

Aus ihnen kommt mir Wissen, dass ich Raum
zu einem zweiten zeitlos breiten Leben habe.
Und manchmal bin ich wie der Baum,
der, reif und rauschend, über einem Grabe
den Traum erfüllt, den der vergangne Knabe
(um den sich seine warmen Wurzeln drängen)
verlor in Traurigkeiten und Gesängen.

R.M.Rilke

19.2. -21.3.

Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies

Das Sternzeichen der Fische steht am Ende aller Entwicklungsprozesse, bevor – wie in einer Spiralbewegung – der nächste Kreis begonnen wird. Ich habe lange nicht verstanden, warum das Fische-Zeichen nach dem Wassermann kommt. Warum kommt nach einer Phase, in der sich alles bereit zum Aufbruch macht, alle Kräfte sich verdichten und sammeln, noch einmal eine Phase der Ruhe und der Besinnung, bevor mit dem Widder die nächste Kreisbewegung losgeht? Und dann habe ich verstanden: Um einen Weg in Angriff zu nehmen, braucht es neben der Kraft auch die Motivation: Wohin soll’s denn gehen? Und warum?  Die Fische verkörpern die Ur-Sehnsucht des Menschen nach der Auflösung im Urgrund, nach dem göttlichen Paradies, nach der Einheit. Der Mensch spürt, dass er sein Ego wieder im All-Einen auflösen muss, wie eine Welle sich wieder im Meer auflöst. Diese Sehnsucht liegt in der Fische-Zeit vom 19.2. bis 21.3. „in der Luft“.

Panta Rhei – Alles fließt

Es ist die Zeit, in der sich der Winter buchstäblich auflöst und der Schnee in der immer stärker werdenden Sonne schmilzt. Alles beginnt zu fließen, auf den Feldern steht das Wasser und wartet, abfließen zu können, Bäche treten über die Ufer. Gleichzeitig verschwimmen die Konturen des Landes in den  Nebeln des Vorfrühlings, alles hat etwas Unklares, Übergangsmäßiges, es ist nicht mehr Winter, aber auch noch nicht Frühling. Die Ampel ist auf Rot gestellt und doch spürst du gleichzeitig das Potenzial der Verheißung: Warte, gleich poppt sie auf Grün – dann geht’s los!

In der Fische-Zeit ist also Geduld gefragt. Überstürze nichts, lass dir Zeit und lass dich vor allem nicht drängen – egal, welches Sternzeichen du bist. Versuche – mit der Zeitqualität im wahren Sinne des Wortes – mitzuschwimmen, denn besonders für diese Zeit gilt:

Don’t push the river –it flows by himself. (F.Perls)

Versuche dich in dieser Zeit des Stillstands mit deinem Inneren zu verbinden, versuche spielerisch deine Träume möglichst mit allen Sinnen zu spüren, fühlen, hören, sehen… Dann wird die Antwort auf die Frage „Quo vadis?“ – „Wohin gehst du?“ wie von selbst erscheinen.

Genieße auch die ersten warmen Vorfrühlingstage, setz dich in die Sonne und lass die Seele ein bisschen baumeln. Lass dir Zeit und mach’s dir leichter – auch körperlich. Denn auf der nächsten Etappe willst du ja nicht altes Gepäck/ Gewicht/ Schlacken mitschleppen, oder? Jetzt ist die Zeit für eine Frühjahrskur, ein paar Safttage, eine Kur mit Bitterkräutern, warmes Wasser zur Entschlackung – statt Kaffee…(o je!(-;)

Überwinde deine Grenzen

Über das Zeichen der Fische herrscht Neptun. Er ist der Planet der Feldphänomene, der immateriellen Erscheinungen, der Aura. Neptun steht für die SEHNSUCHT nach AUFLÖSUNG und HINGABE. Er herrscht über die Grenzen von Raum und Zeit sowie über die Grenzen zwischen Realität und imaginärer Wirklichkeit; er setzt uns Grenzen, kann uns aber auch helfen, wenn wir diese Grenzen überschreiten wollen.

Asram, CC BY-SA 3.0 http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/, via Wikimedia Commons

Dementsprechend ist das Zeichen Fische das Sternbild der Rückverbindung mit dem Urgrund, der Hingabe, der Vergeistigung. Das entsprechende zwölfte Haus wird auch das Haus der Einschließung genannt und stellt die stofflichen und geistigen Grenzen dar, aber auch die Überwindung dieser Grenzen. So symbolisiert auch das Zeichen der Fische den Grenzgänger. Dies wird dargestellt durch zwei Fische, die in die entgegengesetzte Richtung schauen. Der eine Fisch verbindet sich schon mit der transzendenten Welt, der andere muss sich doch noch um die niederen irdischen Angelegenheiten kümmern. Letztendlich spiegelt die Zeitqualität der Fische das Aushalten, Überwinden und Vereinen der Polarität wider: Ich bin in dieser Welt und doch auch nicht. Ich fließe, bin mit allem verbunden und doch auch nicht.

Optimal für uns nutzbar machen können wir die neptunischen Energien nur, wenn wir den Worten des Astrologen Stephen Arroyo folgen und „erkennen, dass die ständige Suche nach dem Ideal, nach dem wir uns in der äußeren Welt sehnen, keine Befriedigung und keine Befreiung bringt, und dass es nur kommt, wenn wir die Verantwortung (Saturn) übernehmen, unser Leben durch unsere eigene Kreativität und Hingabe ideal zu gestalten.“ (1)

Denn „Neptuns Ziel ist die Entillusionierung des Menschen, um ihm klarzumachen, dass er kein von der Umgebung abgetrenntes Dasein hat, sondern das eine Selbst ist, das sich in allem verwirklicht.“ (2)

Fragen des Prinzips Neptun

Egal, ob du im Zeichen der Fische geboren bist oder nicht – jetzt ist eine gute Zeit, um dich mit folgenden Fragen zu beschäftigen:

  • Wie sieht es mit meinen Grenzen aus?
  • In welchem Bereich meines Lebens fällt mir das Abwarten schwer?
  • Wie ist meine Beziehung zu Stille und Einsamkeit?
  • Wie fühle ich mich, wie fühlt sich mein Leben an, wenn ich nebulöse Träume in konkrete Schritte im Hier und Jetzt verwandle?

Tipps für die Fische-Zeit

Entwicklungsweg der Fische: Weg der Selbstlosigkeit

(1) Stephen Arroyo: Astrologie, Karma und Transformation, Iris: 13. Auflage 2005, S.72

(2) Frank Felber: Lehrbuch der esoterischen und exoterischen Astrologie, Jupiter + Uranus Verlag: 2007, S. 262.

Kategorien: Zeitqualität

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